Coldcard mit der Nachricht Gefahr

Coldcard-Sicherheitslücke: Self-Custody bleibt sicher – wenn das Setup stimmt

Eine schwere Sicherheitslücke hat die Seed-Erzeugung älterer Coldcard-Firmware geschwächt. Im Umfeld des Vorfalls wurden mehr als 1.000 Bitcoin aus vielen Wallets bewegt. Noch ist nicht abschließend geklärt, welche Transaktionen zum Angriff gehören.

Die wichtigste Einordnung: Self-Custody war nicht das Problem. Der Fehler lag in der Software einer bestimmten Hardware-Wallet. Sie erzeugte Seeds mit zu wenig Zufall.

Was ist beim Coldcard-Vorfall passiert?

Eine Bitcoin-Wallet erstellt bei der Einrichtung einen Seed. Aus diesem Seed entstehen die privaten Schlüssel der Wallet. Der Seed muss deshalb auf ausreichend zufälligen Daten beruhen.

Genau hier lag laut Hersteller Coinkite der Fehler. Bestimmte Coldcard-Versionen nutzten bei der Seed-Erzeugung nicht wie geplant den Zufallsgenerator des Geräts. Stattdessen kam ein schwächerer Zufallsgenerator der Software zum Einsatz.

Dadurch gab es deutlich weniger mögliche Seeds als erwartet. Angreifer konnten mögliche Seeds automatisiert testen. Daraus leiteten sie Bitcoin-Adressen ab. Anschließend verglichen sie diese mit öffentlichen Blockchain-Daten.

Bei einem sicher erzeugten Seed wäre ein solcher Angriff praktisch unmöglich.

Coinkite schätzt die Sicherheit betroffener Seeds wie folgt ein:

  • Coldcard Mk2 und Mk3: etwa 40 Bit Sicherheit
  • Coldcard Mk4, Mk5 und Q: etwa 72 Bit Sicherheit durch zusätzliche Zufallsdaten aus Sicherheitschips

Vorgesehen waren 128 Bit. Die Werte zeigen: Auch die neueren Modelle erreichten nicht das geplante Sicherheitsniveau.

Ende Juli wurden zunächst rund 594 Bitcoin aus etwa 500 Wallets bewegt. Spätere Analysen meldeten insgesamt rund 1.082,65 Bitcoin aus 1.196 Adressen. Coinkite hat die Schwachstelle bestätigt. Die genaue Untersuchung des Angriffs läuft jedoch weiter.

Welche Coldcard-Modelle sind betroffen?

Laut der am 1. August 2026 aktualisierten Sicherheitswarnung von Coinkite sind Seeds betroffen, die mit folgenden Geräten und Firmware-Versionen erstellt wurden:

  • Coldcard Mk2 und Mk3: Firmware 4.0.1 bis 4.1.9
  • Coldcard Mk4 und Mk5, Standard-Version: vor Firmware 5.6.0
  • Coldcard Q, Standard-Version: vor Firmware 1.5.0Q
  • Coldcard Mk4 und Mk5, Edge-Version: vor Firmware 6.6.0X
  • Coldcard Q, Edge-Version: vor Firmware 6.6.0QX

Entscheidend ist die Firmware, mit der der Seed erstellt wurde. Ein späteres Update macht einen bestehenden Seed nicht sicherer. Es schützt nur Seeds, die danach neu erzeugt werden.

Coinkite nennt eine mögliche Ausnahme: Nutzer haben bei der Erstellung mindestens 50 faire, geheime und unabhängige Würfelwürfe hinzugefügt. Auch ein starkes Zusatzpasswort für die Wallet kann Angriffe erschweren. Dieses Zusatzpasswort heißt BIP39-Passphrase.

Beides ändert aber nichts an der Empfehlung: Betroffene Nutzer sollten einen neuen Seed erstellen und ihre Bitcoin übertragen.

Warum Self-Custody nicht das Problem war

Bei Self-Custody kontrollieren Nutzer ihre privaten Schlüssel selbst. Sie sind dadurch weniger abhängig von einem Verwahrer. Das schützt jedoch nicht automatisch vor Fehlern in einer Wallet.

Beim Coldcard-Vorfall lag der Fehler in der Seed-Erzeugung. Das Prinzip der Selbstverwahrung blieb unverändert. Betroffen war eine konkrete technische Umsetzung.

Self-Custody ist kein automatisches Sicherheitsversprechen

„Not your keys, not your coins“ beschreibt einen wichtigen Vorteil von Bitcoin: Wer die Schlüssel besitzt, kontrolliert die Bitcoin.

Doch dieser Vorteil schützt nicht vor jedem Risiko. Auch bei Self-Custody können Fehler auftreten. Beispiele sind:

  • eine unsichere Seed-Erzeugung,
  • manipulierte oder veraltete Firmware,
  • ein ungeschütztes Backup,
  • eine falsch geprüfte Empfangsadresse,
  • Phishing oder Bedienfehler.

Self-Custody bleibt ein starkes Modell. Es braucht aber einen klaren Sicherheitsprozess. Ein bekanntes Gerät oder eine bekannte Marke allein reichen nicht aus.

Was betroffene Coldcard-Nutzer jetzt tun sollten

Wer einen Seed mit einer betroffenen Firmware erstellt hat, sollte die Warnung von Coinkite prüfen. Wichtig ist ein ruhiger und kontrollierter Wechsel auf eine neue Wallet.

Coinkite empfiehlt im Kern diese Schritte:

  1. Betroffenheit prüfen: Modell und Firmware bei der ursprünglichen Seed-Erzeugung feststellen.
  2. Firmware aktualisieren: Nur die offizielle Download-Seite von Coinkite verwenden.
  3. Neuen Seed erstellen: Den alten Seed nicht erneut importieren.
  4. Backup prüfen: Die neue Seed Phrase sicher und offline aufbewahren.
  5. Empfangsadresse kontrollieren: Die Adresse direkt auf dem Gerät prüfen.
  6. Testtransaktion senden: Zuerst einen kleinen Betrag übertragen.
  7. Restbetrag übertragen: Erst nach erfolgreicher Prüfung die übrigen Bitcoin senden.

Ein Firmware-Update allein reicht nicht. Auch das Zurücksetzen des Geräts mit demselben Seed löst das Problem nicht.

Gib deine Seed Phrase niemals auf einer Website, in einem Chat oder an einen angeblichen Support weiter. Wer beim Wechsel unsicher ist, sollte keine spontanen Schritte durchführen.

Was bedeutet der Vorfall für 21bitcoin-Nutzer?

Die Lücke betrifft bestimmte Coldcard-Versionen. Sie betrifft weder das Bitcoin-Netzwerk noch die 21bitcoin App.

Handlungsbedarf besteht nur, wenn du eine betroffene Coldcard-Wallet verwendest. Das gilt auch, wenn du Bitcoin von 21bitcoin an eine solche Wallet sendest.

Prüfe vor dem nächsten Transfer, wann und mit welcher Firmware dein Seed erstellt wurde. Hinterlege eine neue Empfangsadresse erst nach der sicheren Migration.

Self-Custody und professionelle Verwahrung kombinieren

Bei 21bitcoin können gekaufte Bitcoin zunächst im Account bleiben. Nutzer können sie auch an eine eigene Wallet senden.

Der Auto-Wallet-Transfer überträgt Bitcoin automatisch an eine externe Wallet. Dafür legen Nutzer einen persönlichen Schwellenwert fest.

Während einer Sicherheitsmigration lassen sich Transfers pausieren. Wer Self-Custody noch lernt, kann zuerst kleine Beträge übertragen und den Ablauf testen.

Bitcoin im 21bitcoin Account werden über die Cold-Storage-Infrastruktur von BitGo Custody verwahrt.

Beide Modelle haben eigene Risiken:

  • Self-Custody senkt die Abhängigkeit von einem Verwahrer. Nutzer müssen Wallet, Seed und Backup jedoch selbst schützen.
  • Professionelle Verwahrung verringert den technischen Aufwand. Dafür vertrauen Nutzer dem Anbieter und dessen Infrastruktur.

Es gibt daher nicht für alle Nutzer dieselbe richtige Lösung. Entscheidend ist, welche Risiken sie verstehen und sicher kontrollieren können.

Fünf Lehren aus dem Coldcard-Vorfall

Der Vorfall zeigt, worauf Nutzer bei Hardware-Wallets achten sollten:

  1. Auch bekannte Geräte können Fehler enthalten. Marke und Modell ersetzen keinen Sicherheitsprozess.
  2. Die Firmware ist wichtig. Updates sollten immer aus offiziellen Quellen stammen.
  3. Ein schwacher Seed bleibt schwach. Ein späteres Update repariert ihn nicht.
  4. Zusätzliche Zufallsquellen können helfen. Sie müssen aber korrekt eingesetzt werden.
  5. Transfers brauchen einen Test. Erst die neue Wallet prüfen, dann den gesamten Betrag senden.

Self-Custody verlangt kein Expertenwissen. Nutzer sollten aber verstehen, wie ihre Wallet, ihr Seed und ihr Backup zusammenwirken.

Häufige Fragen zur Coldcard-Sicherheitslücke

Wurde Bitcoin selbst gehackt?

Nein. Der Fehler lag in der Firmware bestimmter Coldcard-Modelle. Das Bitcoin-Netzwerk und seine Kryptografie wurden nicht gebrochen.

Reicht ein Firmware-Update aus?

Nein, wenn der Seed bereits mit einer betroffenen Firmware erstellt wurde. Nutzer brauchen dann einen neuen Seed. Anschließend müssen sie ihre Bitcoin auf die neue Wallet übertragen.

Sind alle Coldcard-Wallets betroffen?

Nein. Entscheidend sind das Modell und die Firmware bei der Seed-Erzeugung. Auch die verwendete Standard- oder Edge-Version spielt eine Rolle.

Schützt eine BIP39-Passphrase?

Eine starke BIP39-Passphrase kann Angriffe erschweren. Sie ist ein zusätzliches Passwort für die Wallet. Sie macht einen schwachen Seed aber nicht nachträglich sicher.

Ist Self-Custody weiterhin sicher?

Ja, wenn Nutzer sie sorgfältig umsetzen. Self-Custody schützt vor dem Risiko eines Verwahrers. Sie schützt aber nicht automatisch vor unsicherer Software, schlechten Backups oder Bedienfehlern.

Müssen 21bitcoin-Nutzer etwas tun?

Nur wenn sie eine möglicherweise betroffene Coldcard verwenden. In diesem Fall sollten sie die ursprüngliche Firmware prüfen. Weitere Transfers sollten erst nach der sicheren Migration erfolgen.

Fazit: Kontrolle braucht ein sicheres Setup

Der Coldcard-Vorfall war kein Scheitern von Self-Custody. Eine konkrete Wallet-Software erzeugte Seeds mit zu wenig Zufall. Dadurch konnten Angreifer mögliche Schlüssel leichter testen.

Die richtige Reaktion ist weder blindes Vertrauen noch eine Abkehr von Self-Custody. Nutzer sollten ihre Firmware aktuell halten, Backups schützen und größere Transfers zuerst testen.

Bei 21bitcoin können Nutzer selbst entscheiden: Sie können Bitcoin professionell verwahren lassen oder an eine eigene Wallet senden. Wichtig ist, die gewählte Lösung zu verstehen und sorgfältig abzusichern.

Hinweis: Vergangene Kursentwicklungen sind kein Indikator für zukünftige Entwicklungen. Marketingmitteilung, FIOR Digital GmbH

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