Dieser Artikel ist für Menschen mit Lebenserfahrung. Menschen, die viel gesehen haben.
Und Menschen, die nicht sofort auf jedes neue Thema aufspringen, nur weil es „die Zukunft“ verspricht.
Und wenn Sie zu denen gehören und beim Thema Bitcoin eher abwinken, dann ist das Jahre der Mustererkennung von „großen Versprechen“ in der Finanzwelt. Wer viel erlebt hat, hat auch viele Versprechen gehört.
Mit dieser Erfahrung wirft man Bitcoin zunächst ganz automatisch in einen Topf mit anderen hochgepriesenen Investments. Man erinnert sich an die Telekom-Aktie Anfang der 2000er, die als Volksaktie galt. Oder an die Renditeversprechen der Schiffsfonds.
Es gab immer große Versprechen und viel Euphorie, die am Ende in großer Enttäuschung endete.
Aus dieser Perspektive ist Skepsis verständlich und rational.
Ich möchte Sie hier nicht vom Thema Bitcoin überzeugen.
Ich möchte bloß meine Beobachtungen teilen.
Die Interpretation davon überlasse ich Ihnen.
Die Idee hierzu kam mir, als ein Zuschauer mir auf einer Konferenz in Prag von seinem Vater erzählte: Er sei intelligent und lebenserfahren, aber sobald das Wort Bitcoin fällt, ist die Tür zu.
Meine spontane Reaktion war: „Statt ihn zu versuchen zu überzeugen, erzähle ihm, was Bitcoin mit dir gemacht hat. Welche Denkbewegung hat es in dir ausgelöst? Und welche Muster beobachtet man, wenn man nah genug dran ist?“
Ich möchte heute genau das tun. Und am Ende entscheiden Sie mit Ihrer Erfahrung selbst, was Sie daraus machen.
Woher ziehe ich die Beobachtungen?
Ich habe Zugang zu einem breiten Querschnitt der Szene:
Durch den Podcast „Der Bitcoin Podcast“ habe ich Zugang ins breite Publikum.
Mein Buch „Goldene Zukunft“ ist Spiegel-Bestseller und erreicht tausende Haushalte.
Durch meine Firma Schwarzberg habe ich Zugang zum vermögenderen Teil der Gesellschaft.
Und hierbei sind mir vier Dinge immer wieder aufgefallen.
1) Bitcoin versteht man erst, wenn man Zeit und mentale Ruhe hat
Fast niemand kommt zu Bitcoin, weil er zufällig einen guten Tag hatte.
Die meisten kommen, wenn das Leben ihnen Raum gemacht hat.
Egal ob es eine Krankheit war, eine Corona-Infektion oder der Verkauf der eigenen Firma.
Fast jeder, den ich kenne, hat erst nach einem solchen Einschnitt zu Bitcoin gefunden.
Es scheint so, als bräuchte man mehr freie mentale Bandbreite, um sich diesem Thema zu widmen. Nicht unbedingt, weil die Komplexität so hoch ist, sondern eher, weil fundamentale Fragen aufgearbeitet werden wie: „Was ist Geld?“ oder „Was sind die Konsequenzen von Inflation?“
Bitcoin ist hierbei selten ein Impulskauf. Vielleicht war es der erste kleine Betrag, um „mal zu schauen“. Aber das echte Verständnis dessen, was Bitcoin ist, entsteht fast immer als Denkprozess… Langsam, mit viel Zeit. Erst danach erhöht sich die Zuversicht und eine größere Position wird aufgebaut.
Bei vielen anderen Themen verläuft der Prozess anders: Menschen steigen schnell ein, und je tiefer sie sich damit beschäftigen, desto schneller ziehen sie sich wieder zurück.
Bei Bitcoin ist es umgekehrt.
2) Bitcoin erreicht Menschen aus allen Lebensbereichen
Auf Bitcoin-Veranstaltungen finden Sie eine Diversität, die ich so von kaum einer anderen Konferenz kenne.
Künstler, Unternehmer, Angestellte, Manager, Musiker, Hausmeister, Lehrer, Anwälte.
Das ist der zweite Punkt, bei dem ich im positiven Sinne stutzig werde:
Ein klassischer Hype schart meist ein homogenes Milieu um sich. Bitcoin wirkt anders. Nicht einheitlich und vorhersehbar sondern eher wie ein Querschnitt durch die Gesellschaft.
3) Politische Orientierung spielt keine Rolle. Entscheidend ist das Wissen über Bitcoin
Ich beziehe mich hierbei auf eine Umfrage des Nakamoto Instituts: Die politische Verteilung von Bitcoinern versus Nicht-Bitcoinern ist sehr ähnlich. Leider konnte ich zu der Studie keine Rohdaten finden, sie deckt sich aber mit meinen eigenen Beobachtungen:
Ich kenne sehr konservative Bitcoiner. Sehr progressive Bitcoiner. Und viele in der Mitte. Ein weiterer Teil der Bitcoiner bezeichnet sich als „nicht politisch“ und entzieht sich politischen Debatten.

Bitcoin ist in dieser Hinsicht wie Elektrizität, Wasser, Autos oder Geld:
Man nutzt es nicht, weil es „links“ oder „rechts“ ist, sondern weil es funktioniert oder weil man glaubt, dass es funktionieren könnte.
Der entscheidende Unterschied zwischen Bitcoin-Haltern und Leuten, die keine Bitcoin haben, liegt also nicht in deren politischer Gesinnung. Laut dem Nakamoto Institute liegt er woanders… und zwar in deren Wissen zu Bitcoin.
Das bedeutet, dass die Trennlinie von Bitcoinern und Nicht-Bitcoinern nicht zwischen politischen Lagern verläuft, sondern zwischen Menschen, die Bitcoin verstanden haben, und Menschen, die es nicht verstanden haben.

Und das ist wichtig, weil es erklärt, warum die Debatte oft so schräg wirkt:
Die beiden Gruppen reden nicht über dasselbe Objekt. Dazu später mehr.
4) Bitcoin verschiebt den Zeithorizont und verstärkt langfristiges Denken
Das ist die Beobachtung, die mich persönlich am stärksten beschäftigt.
Viele Menschen berichten: Seit sie Bitcoin entdeckt haben, denken sie langfristiger.
Nicht nur höre ich das, sondern ich beobachte das bei mir und anderen im Alltag.
Beispiele:
- Bitcoiner entwickeln mehr Interesse an Familiengründung.
- Sie fangen an, Sport zu machen
- Sie ernähren sich bewusster
Und allen voran, entwickelt sich bei ihnen ein grundlegender Optimismus für die Zukunft, den ich ansonsten von keiner anderen Gruppierung wiederfinde.
Warum das so ist, lässt sich nicht in einem Satz erklären, aber man kann es zumindest grob einordnen.
Ein Punkt ist die feste Geldmenge. Bitcoin ist begrenzt. Wenn Sie einen halben Bitcoin besitzen, dann besitzen Sie einen festen Anteil an einem System, das sich nicht verändert. Dieser Anteil wird nicht kleiner, weil jemand Neues hinzukommt oder weil irgendwer entscheidet, mehr Einheiten zu schaffen. Das ist etwas, das wir von Geld sonst nicht kennen. Und allein diese Tatsache sorgt dafür, dass Zukunft wieder berechenbarer wird. Man weiß: Das, was ich heute habe, steht auch morgen noch im selben Verhältnis zum Ganzen.
Ein zweiter Punkt ist Geduld. Bitcoin ist nichts für kurzfristiges Denken. Wer versucht, schnell Gewinne zu machen, wird von der Volatilität ziemlich schnell wieder rausgeschüttelt. Das sehe ich immer wieder. Die Menschen, die bei Bitcoin bleiben, sind die, die bereit sind, in längeren Zeiträumen zu denken. Und dieser Denkprozess verändert etwas.
Und der dritte Punkt ist Verantwortung. Bitcoin ist einer der wenigen Vermögenswerte, die man wirklich selbst halten kann. Wenn Sie Bitcoin selbst verwahren, dann tragen Sie Verantwortung. Wenn Sie einen Fehler machen, kann das Konsequenzen haben. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass niemand sonst Zugriff auf Ihr Vermögen hat. Wer diesen Schritt einmal gegangen ist, übernimmt zum ersten Mal echte Verantwortung für sein Geld. Und wer Verantwortung übernimmt, denkt automatisch weiter nach vorne. Nicht nur über Geld, sondern auch über das eigene Leben, über Vorsorge, oder über Stabilität.
Diese drei Punkte zusammen, Stabiles Geld, klare Regeln und echte Verantwortung lenken das Denken hin zum Langfristigen.
Wenn ich das zusammenfasse, dann klingt Bitcoin nicht wie ein Freak oder Spekulanten-Phänomen. Sondern wie etwas, das quer durch alle Gruppen wirkt und dabei bestimmte Eigenschaften verstärkt:
- Neugier.
- Selbstverantwortung.
- Langfristiges Denken.
Und an der Stelle kommt meistens eine ganz berechtigte Frage. Gerade von Menschen mit Lebenserfahrung.
Nämlich: "Das klingt alles schlüssig. Aber warum bekomme ich dann in der Öffentlichkeit ein komplett anderes Bild von Bitcoin vermittelt?"
Die Kurze Antwort: Bitcoin ist nicht Krypto.
Genau an dieser Stelle hilft ihnen ihre Lebenserfahrung weiter.
Denn Sie wissen aus vielen anderen Bereichen: Die meisten Themen sind nicht schwarz oder weiß. Sie sind nuanciert. Und diese Nuancen sind von außen schwer zu erkennen, wenn man sich nicht tiefer damit beschäftigt.
Ein Beispiel, das ich dafür ganz gern nutze, ist Kernfusion vs. Kernspaltung. Für jemanden, der sich damit nicht auskennt, klingt beides nach „Atom“ und damit nach Gefahr. Wer sich aber mit der Materie beschäftigt hat, weiß: Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge mit völlig unterschiedlichen Risikoprofilen. Ein Fusionsreaktor kann keinen klassischen Super-GAU haben wie ein Spaltungsreaktor. Die Begriffe klingen zwar ähnlich, die Realität dahinter ist aber eine andere.
Und genau diese Situation haben wir auch bei Bitcoin und Krypto.
Ein Großteil der negativen Berichterstattung ist nicht falsch. Sie ist oft korrekt.
Das Problem ist nur: Sie beschreibt in den meisten Fällen nicht Bitcoin, sondern den Rest von Krypto.
Diese beiden Dinge werden in der öffentlichen Wahrnehmung sehr häufig vermischt.
Bitcoin und Kryptowährungen könnten strukturell nicht unterschiedlicher sein, auch wenn sie sprachlich in denselben Topf geworfen werden.
Man kann das relativ einfach aufdröseln, wenn man sich ein paar grundlegende Fragen stellt und es mit dem Euro vergleicht:
Zum Beispiel: Wer kann Geld drucken?
Euro: Beim Euro ist es der Staat beziehungsweise die Zentralbank.
Krypto: Bei Kryptowährungen ist es ein bekannter oder unbekannter Gründer oder ein Entwicklerteam, das die Geldmenge verändern kann.
Bitcoin: Bei Bitcoin ist es niemand. Die Geldmenge ist festgelegt und nicht veränderbar.
Oder die Frage: Wer kann die Geldpolitik ändern?
Euro: Beim Euro sind es politische Institutionen.
Krypto: Bei Krypto sind es wieder die jeweiligen Entwickler oder Gründer.
Bitcoin: Bei Bitcoin kann niemand die Geldpolitik einfach ändern. Die Regeln sind Teil des Netzwerks selbst.
Oder ganz pragmatisch gefragt: Wem müssen Sie vertrauen?
Euro: Beim Euro müssen Sie dem Staat vertrauen.
Krypto: Bei Krypto müssen Sie einer Person oder einer kleinen Gruppe vertrauen, oft anonym, oft ohne Verantwortung, oft in einem anderen Land.
Bitcoin: Bei Bitcoin müssen Sie niemandem vertrauen. Sie müssen nur verstehen, wie die Regeln funktionieren.
Bitcoin, Kryptowährungen und der Euro unterscheiden sich nicht im Namen, sondern im Vertrauensmodell: Beim Euro vertrauen Sie dem Staat, bei Krypto einem Gründer oder Entwicklerteam und bei Bitcoin niemandem, weil weder Geldmenge noch Regeln von irgendwem verändert werden können.
Krypto Projekte wirken zudem wie ein Filter bei Bitcoin, welcher die Leute mit einem kurzen Zeithorizont herausfiltert.
Krypto-Projekte belohnen oft kurzfristiges Denken. Schnelle Gewinne, schneller Ausstieg. Viele Menschen mit kurzfristigem Anliegen kommen wegen des Preises zu Bitcoin und wandern dann weiter zu Memecoins oder anderen Krypto-Projekten, um genau dieses Bedürfnis zu bedienen.
Bitcoin funktioniert anders. Bitcoin liefert diesen schnellen Kick nicht. Und genau deshalb sortiert Bitcoin: Diejenigen, die nur kurzfristig denken, ziehen weiter auf der Jagd nach schnellen Prozenten. Diejenigen, die bleiben, haben einen längeren Zeithorizont.
Und damit sind wir auch beim letzten Punkt.
Dieser Artikel erklärt nicht viel über Bitcoin selbst. Er setzt früher an. Er beschreibt, wie Menschen zu Bitcoin finden, welche Muster sich dabei zeigen und warum das öffentliche Bild oft nicht mit dem übereinstimmt, was man sieht, wenn man näher dran ist.
Wer tiefer einsteigen möchte, stößt schnell auf größere Fragen: die Entwicklung von Geld über die Geschichte hinweg, wiederkehrende Muster in Geldsystem, und warum sie sich alle paar Jahrzehnte wiederholen unabhängig von der Epoche oder Technologie.
Dieser Artikel ist eine Einladung.
Eine Einladung, genauer hinzuschauen.
Eine Einladung, die Mechanik von Geld zu verstehen, bevor man sich eine Meinung bildet.
Dafür sind wir hier.




