Was ist Inflation eigentlich?

In diesem Artikel erklären ich was Inflation ist und welche Auswirkungen sie auf dich und die Gesellschaft hat.

Inflation ist die Erhöhung der Geldmenge. Wörtlich übersetzt heißt Inflation „aufblasen“ oder „aufblähen“. Die Erhöhung („Aufblähung“) der Geldmenge bewirkt eine Minderung des Werts jeder einzelnen Währungseinheit. In anderen Worten: Die Kaufkraft der Währung sinkt durch Inflation - jeder Euro kauft weniger Waren als im Vorjahr – dies macht den Anschein eines Preisanstiegs von Waren obwohl es in Wirklichkeit eine Entwertung der Währung ist.

In Medien und von Politikern wird eine Inflationsrate angegeben, die durch einen „repräsentativen“ Warenkorb ermittelt wird. Die Preise, der willkürlich enthaltenen etwa 700 Waren werden ermittelt und mit den Preisen der gleichen Waren zum Vorjahreszeitpunkt verglichen (Verbraucherpreisindex).

Diese Methode hat allerdings gravierende Mängel:

  1. Inflation ist die Ausweitung der Geldmenge. Eine Preissteigerung ist nur eine Folge dessen und gibt somit ein verzerrtes Bild der Inflation wieder
  2. Einige Waren werden nicht oder in einem zu geringem/zu hohem Maß abgebildet (z.B. hochwertige Ausbildung, medizinische Versorgung, Vermögenswerte, natürlich knappe Güter etc. unterrepräsentiert)
  3. Waren können im zeitlichen Verlauf nur schwer verglichen werden (Waren verändern sich teils komplett, unbeständige Produktqualität, Produktquantität nicht berücksichtigt aka „Shrinkflation“)

Die Warenkorbmethode liefert daher eine verzerrte Inflationsrate. Durch Auswahl und Veränderung der Anteile der enthaltenen Waren, kann eine beliebige Inflationsrate (bzw. die angestrebten knapp 2% der EZB) vorgegeben werden.

Auswirkungen von Inflation

EZB Bilanz
Bilanz der europäischen Zentralbank

Die EZB hat ihre Bilanz von etwa $1,8 Billionen 2008 auf knapp $8 Billionen 2020 vergrößert und damit die monetäre Basis des Euro extrem aufgebläht. Das ergibt eine Inflation von rund jährlich 14,5% über den Zeitraum von 11 Jahren.

Wieso sehen wir diese Inflation dann nicht im täglichen Leben z.B. beim Einkauf im Supermarkt? Das neu gedruckte Geld der EZB wandert zuerst in Vermögenswerte wie Anleihen und Aktien bevor es in der breiten Volkswirtschaft ankommt. Das führt dazu, dass die Marktkapitalisierung dieser Vermögenswerte immer weiter nach oben geboten wird (Blasenbildung). Menschen, die bereits Vermögenswerte halten profitieren von diesem System überproportional. Außerdem profitieren die ersten Empfänger des neu gedruckten Geldes (vorwiegend Banken, Großunternehmen etc.) überproportional, weil sie Waren und Vermögenswerte kaufen können bevor sich Preise nach oben anpassen können. Die breite Bevölkerung, die auf ein fixes Einkommen angewiesen ist und keine Vermögenswerte besitzt, verliert immer mehr an Kaufkraft. Dies vergrößert die Schere zwischen Arm und Reich zusätzlich (Cantillon Effekt).

Gedankenexperiment (Auswirkungen von Inflation auf die Gesellschaft):

Ein Winzer lebt in einer durch eine Zentralbank gesteuerten Wirtschaft. Er weiß, dass seine Zentralbank kürzlich, der Einfachheit halber, die Geldmenge verdoppelt hat.

Dieser Winzer verkauft seinen Wein gewöhnlich für 20 EUR pro Flasche. Plötzlich steht er vor einem Dilemma (der Einfachheit halber ignorieren wir die Ungleichmäßigkeit der Inflation in einer Volkswirtschaft). Er hat er grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  1. Der Winzer kann seine Flasche Wein weiterhin für 20 EUR pro Flasche verkaufen, obwohl er weiß, dass er eine 50%-Reduktion seiner Marge einstecken muss. Die Geldmenge verdoppelte sich, alle seine Inputkosten verdoppelten sich effektiv. Wenn er also seinen Verkaufspreis konstant hält, wird er diesen vollen Verlust aufgrund der Inflation selbst tragen müssen.
  2. Seine zweite Option ist, dass er tatsächlich billigere Zutaten verwendet oder sogar seinen Wein verwässert, ihn aber weiterhin für 20 EUR verkaufen kann, damit er seine Marge halten kann.
  3. Die dritte Option ist den Verkaufspreis auf 40 EUR zu verdoppeln, sodass er den gleichen Wert für seinen Wein erhält, der auf Euro nach der Inflation lautet.

Das wirklich Interessante daran ist, selbst wenn dieser hypothetische Winzer beschließt, Option drei zu wählen und seinen Wein zur vollen Qualität für einen Preis von 40 EUR (nach Verdopplung der Geldmenge) zu verkaufen, um seine eigene Marge aufrechtzuerhalten, wird er dem Wettbewerbsdruck anderer Winzer ausgesetzt sein, die vielleicht etwas skrupelloser sind und sich für Option zwei entscheiden. Jemand könnte seinem Wein nur ein paar Tropfen Wasser hinzufügen oder einfach etwas billigere Trauben verwenden. Aber es ist im Wesentlichen dieser Prozess, der die Inflation tatsächlich mit dem Anreiz verbindet, seine Kunden zu betrügen.

Die Inflation ist also tatsächlich quantifizierbar und regt Händler und Produzenten dazu an, unehrlich zu sein. Und selbst wenn du der ehrliche, moralisch tugendhafte Winzer bist, der die Option Nummer drei wählt, musst du jetzt deine moralische Integrität gegen dein finanzielles Wohlergehen abwägen, da andere Winzer mit weniger Skrupeln tatsächlich die Konkurrenz unterbieten. Wenn diese Winzer den gleichen Wein mit ein paar Tropfen Wasser oder was auch immer für 20 EUR pro Flasche verkaufen können, setzen sie dich tatsächlich einem Risiko des Verlusts aus. Diese Winzer können also ehrliche Produzenten aus dem Geschäft drängen.

Es ist fast so, als wäre Inflation ein sehr missverstandenes Konzept, aber wie ich denke, verstehen die meisten Menschen, die sich damit beschäftigen, dass es sich um eine Besteuerung ohne Repräsentation handelt. Es ist Diebstahl. Das ist alles was es ist. Es ist in keiner Hinsicht gut für eine Volkswirtschaft, es gibt keinen einzigen gerechten Nutzen.

- Robert Breedlove aus dem Buch "Honest Money" von Gary North.

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