Drei Gründe in Bitcoin zu investieren

Du denkst es ist zu spät Bitcoin zu kaufen? Das Thema ist nach dem Hype Ende 2017 inklusive Preisexplosion und Absturz abgehakt?

Zugegebenermaßen Bitcoin in seiner Gesamtheit zu verstehen ist nicht einfach. Auch ich habe jahrelange Recherche betrieben um Bitcoin zu verstehen und bin noch längst nicht am Ende der Fahnenstange angekommen. Hier sind drei Gründe warum Bitcoin eine einmalige Erfindung ist und wieso du über eine Investition nachdenken solltest.

Grund 1) Absolute Knappheit & Netzwerkeffekte

Bitcoin ist ein Open-Source-Software Geldsystem, das es ermöglicht Wert zu speichern und ohne einer dritten Partei zu transferieren. Das Konzept dazu wurde 2008 von einem Pseudonym namens „Satoshi Nakamoto“ in einer Emailliste veröffentlicht und Anfang 2009 in Betrieb genommen.
Einer der wesentlichsten Eigenschaften von Bitcoin ist, dass es dezentral ist. D.h. es gibt keine einzige Autorität (Person, Unternehmen, Nationalstaat), die Bitcoin kontrolliert. Stattdessen wird Verschlüsselung basierend auf der Blockchain (verteilte öffentliche Datenbank) verwendet, die von mehreren Parteien (Minern) im Netzwerk berechnet wird, um Transaktionen im Bitcoin-Netzwerk zu verarbeiten. Das Protokoll gibt einen Anreiz, in Form von neu geschöpften bitcoins (Miner Reward) und/oder Transaktionsgebühren, für diejenigen, die Rechenleistung zur Verarbeitung von Transaktionen beitragen. Kurz: Für die Verarbeitung und Sicherung des Netzwerks verdient man bitcoins.

Konnte man zu Beginn des Bitcoin-Netzwerks 2009 noch einen herkömmlichen Computer für das sogenannte Mining verwenden, ist dies heute ein hoch kompetitiver Markt mit spezialisierten Unternehmen und eigener Hardware (ASICS), die zu einem großem Teil überschüssige und somit extrem günstige Energie verwenden. Heute erlangen die meisten Menschen bitcoins, indem sie sie von anderen oder auf Exchanges kaufen.

Das Bitcoin-Protokoll begrenzt die maximale Anzahl auf insgesamt 21 Millionen Coins, was zu einer absoluten Knappheit führt. Es gibt keine zentrale Entität, welche diese Grenze einseitig ändern kann. Selbst Satoshi Nakamoto höchstpersönlich könnte keine weiteren bitcoins hinzufügen, wenn er wollte. Dies macht Bitcoin zum ersten absolut knappen und nicht manipulierbaren Geld der Menschheitsgeschichte. Außerdem ist jeder bitcoin in 100 Millionen Einheiten (genannt Satoshis oder sats) teilbar. Dies kann man mit Bruchteilen einer Unze Gold oder (€) Cents vergleichen.

Bitcoins werden auf keinem Gerät "gespeichert" sondern existieren rein digital. Bitcoin ist eine verteilte öffentliche Datenbank (Blockchain), und Besitzer von bitcoins können auf ihre Coins zugreifen, indem sie über den privaten Schlüssel verfügen, der ihre verschlüsselte Adresse entsperrt. Private Schlüssel werden auf eigenen Geräten (Hardware-Wallets) oder sogar auf Papier oder in Metall eingraviert aufbewahrt.
Ein privater Schlüssel kann überdies als Wörter-Phrase gespeichert werden, und später daraus rekonstruiert werden. Du könntest dir deine Phrase (12 Wörter) buchstäblich merken, alle Geräte zerstören, die jemals den privaten Schlüssel besaßen, eine internationale Grenze überqueren, ohne etwas bei dir zu haben, und danach mit den gemerkten 12 Wörtern den Zugriff auf deine bitcoins wiederherstellen.

Ein digitales monetäres Gut

„Stellen Sie sich als Gedankenexperiment vor, es gäbe ein unedles Metall, das so knapp wie Gold ist, aber die folgenden Eigenschaften aufweist:
- langweilige graue Farbe
- k
ein guter elektrischer Leiter
- nicht besonders stark, aber auch nicht biegsam oder leicht verformbar
- nicht nützlich für praktische oder dekorative Zwecke

und eine
besondere, magische Eigenschaft:
- kann über einen Kommunikationskanal übertragen werden

Wenn dieses Gut irgendwie, aus welchem Grund auch immer, einen Wert erlangt hat, dann könnte jeder, der Vermögen über eine große Entfernung übertragen will, etwas davon kaufen, übertragen und vom Empfänger verkaufen lassen.“

- Satoshi Nakamoto, August 2010

Man kann sich Bitcoin also als ein knappes digitales Gut mit einzigartigen Eigenschaften vorstellen. Bitcoin ist ein rein monetäres Gut ohne industrielle Verwendung mit folgenden Eigenschaften: Es ist es knapp, langlebig, transferierbar, teilbar, überprüfbar, lagerfähig, austauschbar (fungibel), verkaufsfähig und über Grenzen hinweg anerkannt. Dies sind alles Eigenschaften von idealem Geld.

Die folgende Tabelle vergleicht Gold, Fiat-Währung (€/$) und Bitcoin miteinander:

Tabelle 1: Vergleich Gold, Fiat, Bitcoin
Quelle: The bullish case for Bitcoin, Vijay Boyapati

Wie aus der Tabelle vorhergeht, ist Bitcoin in allen Eigenschaften neuen und alten monetären Technologien ebenbürtig bzw. überlegen. Dies bietet einen starken Anreiz für seine zunehmende Verbreitung. Vor allem die absolute Knappheit (nur 21 Millionen Coins), die unübertroffene Zensurresistenz und die Resistenz gegen Beschlagnahmung machen Bitcoin zu einer hoch interessanten Entwicklung und Anlageklasse.

Andere Kryptowährungen

Aktuell beträgt die Marktkapitalisierung von Bitcoin ca. €160 Mrd., was in etwa dem Wert eines großen Unternehmens entspricht. Der gesamte Markt an Kryptowährungen, einschließlich Bitcoin, ist rund €290 Mrd. groß, was Bitcoin eine Marktdominanz von etwa 60% gibt. Viele Menschen fragen sich warum sich ausgerechnet Bitcoin durchsetzen soll und warum diese Marktdominanz verteidigt werden sollte, da es bereits tausende andere Kryptowährungen gibt, die vermeintlich "schneller" und "effizienter" sind. Hier kommen Netzwerkeffekte und die Pfadabhängigkeit von Bitcoin ins Spiel.

Netzwerkeffekt

Eine Analogie ist, dass eine Kryptowährung wie ein soziales Netzwerk ist, nur dass es nicht um Selbstdarstellung geht, sondern um den Austausch und das Speichern von Wert. An diesem Punkt weiß jeder wie ein soziales Netzwerk funktioniert und jeder kann eine Webseite dafür erstellen. Die schier unmögliche Herausforderung ist es das neue Facebook mit Milliarden an Nutzern zu erschaffen. Der springende Punkt dabei ist, dass eine funktionierende Webseite eines sozialen Netzwerks ohne Benutzer, ohne Vertrauen und ohne Sicherheit wertlos ist. Je mehr Menschen ein solches Netzwerk nutzen, desto nützlicher wird es und desto mehr Menschen werden in einem sich selbstverstärkenden Netzwerkeffekt angezogen und desto weniger wahrscheinlich ist es, dass ein Konkurrenzprodukt diesen Netzwerkeffekt durchbrechen kann.

Pfadabhängigkeit

Seit Satoshi das grundlegende Problem der digitalen Knappheit gelöst und die Lösung dazu veröffentlicht hat, ist es einfach eine neue Kryptowährung zu erstellen. Der praktisch unmögliche Teil besteht darin, eine konkurrierende Währung zu erstellen, die vertrauenswürdig, sicher und mit anhaltender Nachfrage ist - alles Eigenschaften, die Bitcoin aufgrund seiner einmaligen, pfadabhängigen Entstehung besitzt. Der entscheidende Durchbruch ist die Entdeckung der absoluten Knappheit - eine monetäre Eigenschaft, die nie zuvor (und nie wieder) von der Menschheit erreicht werden konnte.
Bitcoin wurde als eine einzigartige Technologie in die Welt eingeführt: Ein nichtstaatliches digitales Geld, das nach einem festgelegten, abnehmenden und vorhersehbaren Zeitplan ausgegeben wird. Es wurde strategisch in die freie Wildbahn entlassen (in eine Online-Gruppe von Kryptographen) zu einer Zeit, als es noch keine vergleichbare Technologie gab. Der organische Adoptionspfad von Bitcoin und der Aufbau des Mining-Netzwerks sind eine nicht wiederholbare Abfolge von Ereignissen. Als Gedankenexperiment sollte man bedenken, dass, wenn ein heute "neues Bitcoin" auf den Markt käme, es schon früh eine schwache Netzwerk-Sicherheit aufweisen würde, da ihr Mining-Netzwerk und ihre Hash-Rate von Grund auf neu beginnen müssten. Zu diesem Zeitpunkt, in einer Welt, die sich Bitcoin bewusst ist, würde dieses "neue Bitcoin" mit vergleichsweise schwacher Netzwerk-Sicherheit unweigerlich angegriffen werden - ob es sich dabei um etablierte Projekte handelt, die ihren Vorsprung verteidigen wollen, um internationale Bankenkartelle oder sogar um Nationalstaaten.

Hash-Rate Bitcoin
Quelle: Blockchain.com

Grund 2) Stock-to-Flow

Seit der Einführung im Januar 2009 wurden etwa alle 10 Minuten 50 neue bitcoins von Minern geschöpft, die einen gültigen neuen Block (enthält Transaktion) im Netzwerk kreierten. Das Protokoll ist jedoch so programmiert, dass sich die Anzahl der geschöpften bitcoins asymptotisch der maximalen Anzahl von 21 Millionen annähert. Etwa alle vier Jahre halbiert sich die Rate der Produktion neuer bitcoins („Halving“). Mit Beginn der 2030er werden mehr als 99% aller bitcoins geschöpft worden sein. Gegenwärtig sind bereits über 18,5 Millionen der 21 Millionen Coins geschöpft worden. In folgender Abbildung ist die fallende Inflationsrate und die Anzahl an geschöpften bitcoins im Laufe der Zeit dargestellt:

Bitcoin Inflationsrate
Quelle: 21bitcoin

Bitcoin hat historisch gesehen in den 12-18 Monaten nach seiner Einführung und nach den ersten beiden Halvings extrem gut performt. Die Halbierung der neu geschöpften bitcoins im Gegensatz zu einer konstanten oder wachsenden Nachfrage führt wenig überraschend zu einem Preisanstieg, der wiederum die Nachfrage in einer reflexiven Schleife weiter erhöht.

Hier ist das historische Preisdiagramm von Bitcoin in logarithmischer Form, mit drei blauen Indikatoren (vertikale Linien), die die drei Halvings, und damit die vier bisherigen Bitcoin-Marktzyklen darstellen:

Bitcoin Preis
Quelle: Tradingview.com

Stock-to-Flow Modell und Difficulty Adjustment

Stock-to-Flow

Idealerweise sollte ein monetäres Gut seinen Wert bzw. seine Kaufkraft über einen längeren Zeitraum behalten. D.h. ich verkaufe heute ein Produkt um €1000 und möchte davon in einem Jahr den gleichen Gegenwert mit den €1000 erwerben können. Damit ein monetäres Gut seinen Wert behalten kann ist ein hohes Verhältnis von Gesamtbestand (Stock) zu jährlicher Produktion (Flow) des Gutes essentiell.

Würde ein Rohstoff wie z.B. Kupfer (geringes Stock-to-Flow-Verhältnis <1) als monetäres Gut verwendet werden, würde ein Preisanstieg eine erhöhte Produktion von Kupfer bewirken. Durch das nun erhöhte Angebot würde der Wert jeder einzelnen Einheit an Kupfer sinken. Mit anderen Worten: Die Metalle mit den höchsten Stock-Flow-Werten, trotzen einer Entwertung durch Überproduktion am besten.

Historisch gesehen ist das monetäre Gut, dass diese Eigenschaft am besten erfüllt hat, Gold. Es weist mit Abstand das höchste Verhältnis von Bestand zu jährlicher Produktion auf. Konkret schätzt der World Gold Council, dass oberirdisch 200.000 Tonnen Gold vorhanden sind und die jährliche Produktion bei etwa 3.000 Tonnen liegt. Das ergibt einen Stock-to-Flow Wert von ca. 60 (Vergleich Silber ca. 25). In anderen Worten, mit der derzeitigen jährlichen Produktion dauert es 60 Jahre bis der aktuell vorhandene Bestand verdoppelt werden kann.

Weltweite Goldbestände und jährliche Wachstumsrate
Quelle: saifedean.com

Da sich der vorhandene Bestand von Bitcoin im Laufe der Zeit vergrößert und die Produktionsrate neuer bitcoins nach jedem Halving abnimmt, nimmt das Verhältnis von Bestand zu Produktion immer weiter zu. Im aktuellen Halving-Zyklus werden pro Jahr etwa 330.000 neue bitcoins geschöpft, wobei bereits 18,5 Millionen bitcoins vorhanden sind, was bedeutet, dass Bitcoin derzeit ein Stock-to-Flow-Verhältnis in den oberen 50ern aufweist. Das kommt dem Stock-to-Flow-Verhältnis von Gold bereits sehr nahe. Im Jahr 2024, nach dem vierten Halving, wird das Stock-to-Flow-Verhältnis von Bitcoin bei über 100 liegen.

Difficulty Adjustment

Die wohl essentiellste Komponente um so ein hohes Stock-Flow-Verhältnis zu erreichen ist die automatische Schwierigkeitsanpassung (Difficulty Adjustment) von Bitcoin. Die Difficulty (Schwierigkeit) ist ein Parameter im Bitcoin-Protokoll, das die Höhe der erforderlichen Rechenleistung (=Hash-Rate), um einen neuen Block zu finden, beschreibt. Sie passt sich alle zwei Wochen der durchschnittlich aufgebrachten Rechenleistung an (Adjustment). Das Schöpfen von bitcoins ähnelt also eher einem sportlichen Wettbewerb als dem Abbau von Bodenschätzen wie Gold. Unabhängig davon wie viele Teilnehmer am Schöpfen von bitcoins teilnehmen, gibt es nur eine vorher festgelegte Anzahl an bitcoins zu "gewinnen". Beim Abbau von Bodenschätzen hingegen wird umso mehr gefördert, je mehr Bergleute teilnehmen.

Dadurch kann die Verteilung der bitcoins schrittweise über ein Jahrhundert hinweg erfolgen. Ohne das Difficulty Adjustment könnte bei einem Preisanstieg die gesamte Menge frühzeitig geschöpft werden, was eine Verbreitung unwahrscheinlich machen würde. Indem das Difficulty Adjustment die Produktion verlangsamt, ermöglicht es Bitcoin, sehr lange offen und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Bitcoins Einzigartigkeit als Geld
Quelle: saifedean.com

Das Difficulty Adjustment gibt Bitcoin folgende einzigartige Eigenschaften:

  1. Das härteste Geld aller Zeiten
    Gewährleistet, dass Bitcoin die geringste Angebot-Wachstumsrate aller jemals verwendeten Gelder aufweisen wird. Der höchste jemals erreichte Bestand an Geldmitteln wird um das Jahr 2025 herum erreicht. Er wird von da an bis in die Unendlichkeit etwa ein Jahrhundert später weiter ansteigen.
  2. Das erste absolut knappe Gut
    Vor Bitcoins Difficulty Adjustment hat es kein monetäres Gut gegeben, dass absolut knapp/begrenzt war.
    Das einzige Geld, dessen Angebot völlig unempfindlich gegenüber der Nachfrage ist.
    Das Einzige, was außer der menschlichen Zeit strikt knapp ist.
  3. Passt sich an die richtige Markgröße an
    Wenn Bitcoin wächst, stellt es sicher, dass die Belohnung in bitcoins ausgedrückt gleich bleibt. Wenn der Wert des Bitcoin-Tokens steigt, stellt das Difficulty Adjustment sicher, dass der Anstieg zu einer Erhöhung der Kosten des Minings führt und nicht zu einer Erhöhung der geschöpften Menge.
    Wenn der Wert von Bitcoin sinkt, sinkt dadurch die Belohnung und verringert die Investition in das Mining. Das Difficulty Adjustment stellt sicher, dass Bitcoin weiterhin in der für das Überleben erforderlichen Größe geschöpft wird.
    Wenn Regierungen strikt gegen Bitcoin vorgehen würden und alle derzeitigen Exchanges stillgelegt würden, könnte dies zu einem erheblichen Rückgang des Preises von Bitcoin führen. In dieser Situation sinkt der Preis, und die Difficulty folgt, und mehr Miner stellen den Abbau ein. Mehr Mining geht unter Tage und größere Mining-Anlagen werden von den Regierungen stillgelegt. Bitcoin schrumpft auf eine Größe, die sich verstecken kann. Es könnte als ein viel kleineres unterirdisches Schwarzmarkt-Geldsystem überleben, aber es würde wahrscheinlich überleben, weil es keine sehr großen Mining-Anlagen mehr benötigt. Selbst bei einer sehr starken Verringerung der Rechenleistung und einem sehr starken Preisverfall passt sich die Schwierigkeit nach unten an, und Blöcke werden weiterhin alle zehn Minuten produziert.
  4. Wesentlicher Bestandteil der Sicherheit von Bitcoin
    Schützt Bitcoin vor Angriffen. Es ist extrem teuer, sich mit Bitcoin anzulegen. Man kann Bitcoin-Transaktionen potentiell immer angreifen, aber es ist immer extrem teuer und damit ökonomisch nicht sinnvoll.
    Dezentralisiert das Mining von Bitcoin und macht Bitcoin daher weniger anfällig für Angriffe und Zentralisierungen.
  5. Absolute Markteffizienz zu jeder Zeit
    Ohne Preis- und Marktsignale ist es extrem schwer ein Vorhaben erfolgreich durchzuführen. Der Unterschied in der Effizienz zwischen privaten und öffentlichen Unternehmen ist, dass letztere für Profit, mithilfe von Markt- und Preissignalen, optimieren. Während einem abstraktes Vorhaben diese Koordinations- und Rückmeldungsmöglichkeiten fehlt. Das bedeutet, dass es unglaublich schwer ist, eine feindselige Miningunternehmung erfolgreich zu führen. Auf der Ebene der Größenordnung des derzeit bestehenden Minings ist selbst die Sicherung von nur 10% des Bitcoin-Netzwerks eine enorme Kapitalinvestition. Zu der benötigten Energieinfrastruktur kommt noch das erforderliche Mining-Equipment (Computer Chips - ASICS) hinzu. Die Herstellung des Stroms und der Computer Chips sowie deren Einsatz ist ein langer Produktionsprozess, der sehr kapitalintensiv ist. Die zentrale Planung der Regierung macht diese Dinge nicht konkurrenzfähig.

Stock-to-Flow Modell

2019 wurde von PlanB, einem niederländischen institutionellen Investor, ein Bitcoin-Preismodell auf der Grundlage des Stock-to-Flow-Verhältnisses veröffentlicht. Vorab eine Darstellung dieses Modells:

Bitcoin Stock to Flow Modell
Quelle: PlanB

Das Modell vergleicht die Preishistorie von Bitcoin mit dem sich im Laufe der Zeit ändernden Verhältnis von Bestand zu jährlicher Produktion (Stock to Flow-Verhältnis). Aus dem Modell kann dann ein Preismodell in die Zukunft extrapoliert werden. Er hat auch andere Versionen erstellt, die sich mit dem Verhältnis zwischen Bestand und Fluss von Gold und Silber befassen und diese Mathematik auf Bitcoin anwenden, um ein Cross-Asset-Modell zu erstellen.

Die rote Linie im obigen Diagramm stellt den tatsächlichen historischen Preis von Bitcoin dar. Die schwarze Linie, begleitet von einem blauen Bereich stellt das Preismodell im Laufe der Zeit dar. Der tatsächliche Preis von Bitcoin lag sowohl oberhalb als auch unterhalb der schwarzen Preismodelllinie in jedem einzelnen Jahr seit der Einführung. Allerdings folgt der Preis mit einer hohen statistischen Signifikanz (R^2 > 0,93) dem vorausgesagten Preismodell.

Wie zu erkennen, erscheint das zuvor beschriebene Muster. In den ein oder zwei Jahren nach jedem Halving tendiert der Preis zu einem Bullenlauf, schießt stark über das Modell hinaus, fällt dann unter das Modell und erholt sich dann wieder und findet bis zum nächsten Halving ein Gleichgewicht, das näher am Modell liegt.

Die Modell-Extrapolation von PlanB ist sehr optimistisch und deutet auf ein sechsstelliges Preisniveau innerhalb der nächsten 18 Monate in diesem vierten Zyklus und möglicherweise weit darüber im fünften Zyklus hin. Ein sechsstelliger Preis, verglichen mit der aktuellen Preisspanne von über €9.000, ist mehr als eine Verzehnfachung. Ob dies wirklich so geschehen wird, wird sich in den nächsten Monaten und Jahren zeigen.

Wenn Bitcoin mit insgesamt 19 Millionen Einheiten ein sechsstelliges Preisniveau erreicht, würde die Marktkapitalisierung von Bitcoin bei knapp 2 Billionen Dollar oder mehr liegen und damit über der der größten Mega-Cap-Unternehmen der Welt von heute. Es wäre jedoch immer noch ein kleiner Bruchteil von 1% des globalen Nettovermögens und etwa ein Fünftel der geschätzten Marktkapitalisierung von Gold (etwa 10 Billionen US-Dollar), so dass es nicht unvorstellbar ist, dass Bitcoin diese Höhe schließlich erreichen wird, wenn es eine ausreichende anhaltende Nachfrage dafür gibt. Während der Kryptowährungsblase Ende 2017 erreichte die gesamte Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen über 800 Milliarden US-Dollar.

Wachstums-Potential von Bitcoin
Quelle: 21bitcoin

Dieses Modell ist zwar genau, was den Preis von Bitcoin im Verhältnis zu seinem historischen Stock-to-Flow-Verhältnis betrifft, aber es ist eine offene Frage, inwieweit Bitcoin weiterhin diesem Modell folgen wird. Während des ersten Jahrzehnts des Bestehens von Bitcoin entwickelte sich Bitcoin von einem Kleinst-Vermögenswert mit praktisch keiner Nachfrage zu einem relativ großen Vermögenswert mit erheblicher Nischennachfrage, auch seitens einiger institutioneller Investoren.

Gold bepreist in Bitcoin

Selbst wenn man Fiatwährungen wie den Euro oder US-Dollar aus dem Preismodell lässt und den Preis für eine Unze Feingold in Bitcoin bepreist, ergibt sich ein deutliches Bild. Gold bepreist in Bitcoin fällt von Zyklus zu Zyklus (Halvings - vertikale Linien). Wie im folgenden Bild logarithmisch für die Jahre 2012 - 2020 dargestellt:

Goldpreis in Bitcoin
Quelle: Tradingview.com

Grund 3) Weltwirtschaftliche Entwicklungen

Im Entstehungsblock für Bitcoin, der die Blockchain im Jänner 2009 initiierte, fügte Satoshi eine Schlagzeile aus dieser Woche ein:

"The Times 03/Jan/2009 Kanzler am Rande der zweiten Rettungsaktion für Banken."
- Bitcoin-Genesis-Block

Bitcoin wurde in den Jahren 2008 und 2009 konzipiert und eingeführt; das Herzstück der globalen Finanzkrise mit weit verbreiteten Bankenpleiten, großen staatlichen Rettungsaktionen und der internationalen Übernahme der quantitativen Lockerung als politisches Instrument durch die Zentralbanken. Sein Protokoll war der Versuch, Werte auf eine Weise zu speichern und zu übermitteln, die sowohl überprüfbar als auch knapp ist, wie ein digitales Gold im Gegensatz zur Idee der Rettungsaktionen und des Gelddruckens.

Diese Krise hat Jahre gebraucht, um sich auszuwirken. Die US-Defizite waren über 5 Jahre lang hoch, und die quantitative Lockerung endete erst Ende 2014. Europa erlebte 2012 eine verzögerte Staatsschuldenkrise. Diese ganze Finanzkrise war ein Prozess und kein Ereignis.

Mehr als ein Jahrzehnt später haben wir es mit einer noch größeren Krise zu tun, mit größeren Rettungsaktionen, einer größeren quantitativen Lockerung und direkten Bargeldauszahlungen an Unternehmen und der Bevölkerung, die durch die Monetarisierung der Defizite durch die Zentralbank bezahlt werden.

Die Geldmenge in den Vereinigten Staaten zum Beispiel hat massiv zugenommen. Hier ist die prozentuale Veränderungsrate im Jahresvergleich:

US Dollar M2 Geldvolumen
Quelle: St. Louis Federal Reserve

Die US-Bundesregierung wird in diesem Jahr ein Defizit in der Größenordnung von 20% des BIP verzeichnen, abhängig von der Höhe ihrer nächsten Finanzspritze, was bei weitem das größte Defizit seit dem Zweiten Weltkrieg ist. Und der größte Teil dieses Defizits wird von der Federal Reserve monetarisiert, indem Geld gedruckt wird, um Staatsanleihen von Primärhändlern und anderswo auf dem Sekundärmarkt zu kaufen, um sicherzustellen, dass dieses explosive Angebot an Staatsanleihen nicht die tatsächliche Nachfrage übertrifft.

Die Gegensätzlichkeit zwischen der quantitativen Lockerung, die die Zentralbanken auf der ganzen Welt durchführen, und der quantitativen Verschärfung, die Bitcoin gerade mit dem dritten Halving erfahren hat, macht eine große Momentaufnahme des Unterschieds zwischen Knappheit oder Mangel an Knappheit. Dollar, Euro, Yen und andere Fiat-Währungen sind in grenzenlosem Überfluss vorhanden und ihr Angebot wächst rasant, während Dinge wie Gold, Silber und Bitcoin von Natur aus knapp sind.

Dies ist eine Ära mit Zinssätzen nahe Null, in einigen Fällen sogar mit negativen Nominalzinssätzen, und mit einem enormen Gelddruck. Die Leitzinsen und Renditen von Staatsanleihen liegen in den Industrieländern unter den Inflationszielen ihrer Zentralbanken. Das übermäßige Drucken von Währungen hat nachweislich ihren Weg in die Vermögenspreise gefunden. Aktien-, Anleihe-, Gold- und Immobilienpreise sind in den letzten 25 Jahren allesamt in die Höhe getrieben worden.

Selbst ein 1-prozentiges Übergreifen auf Bitcoin aus den Dutzenden Billionen von zinslosen Anleihen und Barvermögen wäre, wenn es dazu käme, weit größer als die gesamte derzeitige Marktkapitalisierung von Bitcoin.

Anfang Mai 2020 verkündete Milliardär Paul Tudor Jones öffentlich, dass er Bitcoin kaufte. Und zwar Bitcoin Futures im Wert von knapp 2% seines Portfolios. Er beschrieb es als eine Absicherung gegen das massive Gelddrucken der Zentralbanken und Inflation. Außerdem verglich er Bitcoin in den 2020er Jahren mit Gold in den frühen 1970er Jahren. Kleinere Hedge-Fonds haben sich bereits an Bitcoin versucht, und Tudor Jones könnte der bisher größte Investor sein, der in Bitcoin einsteigt.

Bitcoin als Reserve Asset

Während viele Leute Bitcoin voreilig als "zu riskant" abtun, ist das Halten von Fiat-Währungen angesichts der bereits erwähnten jüngsten weltwirtschaftlichen Entwicklungen mit erhebliche Risiken verbunden, insbesondere über lange Laufzeiten. Immer mehr Unternehmen erkennen diese Risiken und im Gegensatz dazu das Potential von Bitcoin und kaufen es als Reserve Asset für deren Bilanz. Ein Reserve Asset is Kapital, das von Investitionen zurückgehalten wird, um möglichen Bedarf in der Zukunft zu decken.

Das weltgrößte börsennotierte Business-Intelligence-Unternehmen MicroStrategy hat $250.000.000 gegen Bitcoin als Reserve Asset eingetauscht. Und die Gründe dafür deuten darauf hin, dass mehr große Unternehmen keine andere Wahl haben werden, als das Gleiche zu tun:

"Unsere Investition in Bitcoin ist Teil unserer neuen Kapitalallokationsstrategie, die darauf abzielt, den langfristigen Wert für unsere Aktionäre zu maximieren." Diese Investition spiegelt unsere Überzeugung wider, dass Bitcoin als die weltweit am weitesten verbreitete Kryptowährung ein zuverlässiger Wertspeicher und ein attraktiver Investitionswert mit einem langfristig größeren Wertsteigerungspotenzial als das Halten von Bargeld ist. Seit seiner Einführung vor über einem Jahrzehnt hat sich Bitcoin zu einer bedeutenden Ergänzung des globalen Finanzsystems entwickelt, mit Eigenschaften, die sowohl für Einzelpersonen als auch für Institutionen nützlich sind. MicroStrategy hat Bitcoin als einen legitimen Investitionswert anerkannt, der Bargeld überlegen sein kann, und hat Bitcoin dementsprechend zur wichtigsten Holding in seiner Treasury-Reserve-Strategie gemacht" - Michael J. Saylor, CEO von MicroStrategy

MicroStrategy ist nicht das einzige Unternehmen, das Bitcoin als Reserve Asset hält. Der CEO von Snappa HQ, ein SaaS-Dienstleister für Grafik-Tools, erklärte kürzlich in einer Stellungnahme auf seinem Blog weshalb SnappaHQ Bitcoin als Reserve Asset hält:

"Lassen Sie mich Ihnen eine Frage stellen... Würden Sie lieber in einer Währung sparen, deren Angebot sich jedes Jahr erhöht? Oder würden Sie lieber in einer Währung sparen, deren Endangebot programmatisch festgelegt ist?
Angesichts all dessen, was in der Weltwirtschaft vor sich geht, ist dies eine Frage, die wir anfangen mussten, ernst zu nehmen, da Snappa weiter skaliert und wachsende Mengen an freiem Cash-Flow produziert. Sie wurde noch wichtiger, als unsere Bank Anfang dieses Jahres den Zinssatz für unser "hochverzinsliches" Sparkonto auf 0,45% senkte. Das bedeutet, dass die Kaufkraft unserer kanadischen und US-amerikanischen Dollar inflationsbereinigt tatsächlich abnimmt. Glücklicherweise glaube ich, dass uns jetzt eine weit überlegene Spartechnologie zur Verfügung steht.
Diese Technologie ist Bitcoin." - Christopher Gimmer, CEO von Snappa

Abschließende Worte

Bitcoin ist eine asymmetrische Wette mit maximal 100% Verlust aber Potential für eine Verzehnfachung in den nächsten Jahren. Bitcoin hat den größten Netzwerkeffekt, das mit Abstand sicherste Netzwerk und einen dezentrale Organisation, die es sehr resistent gegen alle möglichen Angriffe macht. Wir befinden uns zurzeit in einer günstigen Phase im Halvingzyklus, da historisch gesehen die größten Preissteigerungen im aktuellen Abschnitt kurz bevorstehen (12- 18 Monate). Aktuelle weltpolitische Geschehnisse spielen Bitcoin als alternative Absicherung in die Karten. Während die Zentralbanken der Welt weiter Geld in nahezu unendlicher Quantität drucken und damit ihre Währungen abwerten, wird Bitcoin immer knapper und mehr Menschen sehen diese Entwicklung und handeln dementsprechend.

Inspiriert von Preston Pysh, Lyn Alden, Saifedean Ammous, Raoul Pal, PlanB, Parker Lewis, Vijay Boyapati, Robert Breedlove

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